Der Schlossgarten in Schwetzingen

- Ein Garten voller Verführungen

Mystik
Insbesondere die jüdische Mystik ist Grundlage vieler freimaurerischer Rituale des 18. Jahrhunderts. Sie spricht oft nur in Allegorien und berichtet über die Erfahrungen mit einer höheren Wirklichkeitsebene. Dabei ist die Grundlage ihrer Erfahrungsvermittlung eine Morallehre, vergleichbar mit den Zehn Geboten (2. Buch Mose 20, 2-17) oder der Unterweisung des Tobias aus dem Buch Tobit (Kapitel 4, 5-19).

Bereits die dreiteilige Anordnung des Schwetzinger Schlossgartens ist mit der jüdischen Mystik erklärbar, denn sie kennt nur drei Elemente: Wasser, Feuer und Luft. Hingegen gibt es in der Alchemie vier Elemente: Feuer, Erde, Wasser und Luft. Die beiden geheimen Künste finden sich im Schlossgarten harmonisch vereint.

Das Element-Symbol des Wassers ist in der jüdischen Mystik sowie in der Alchemie ein Dreieck mit der Spitze nach unten. Das Element-Symbol des Feuers ist ein Dreieck mit der Spitze nach oben. Das dritte Element in der jüdischen Mystik, welches vergleichbar mit dem fünften Element der Alchemie (quinta essentia) ist, wird als Hexagramm dargestellt. Das Hexagramm ist ein Symbol des Ausgleichs und in der christlichen Mystik ein Symbol des Messias.


Der Französische Garten im Osten wird vom Kreisparterre mit dem Arionbrunnen in der Mitte beherrscht. Das Kreisparterre ist durch nördliche und südliche Zirkelgebäude im Osten umrandet. Dies wird im obigen Bild mit den beiden Sonnenhalbkreisen versinnbildlicht. Das Lamm Gottes steht vor dem nördlichen Zirkelgebäude und der Heilige Geist (Taube) steht vor den südlichen Zirkelgebäude. Der Name Gottes mit den vier hebräischen Buchstaben steht vor dem Schloss, wenn das Schloss vom Westen des Gartens betrachtet wird. Die beiden Laubengänge (berceaux en treillage) im Westen werden auf dem Bild durch die Wolken oder Rauchschwaden angedeutet. Es finden sich vier Vögel: Rabe, Gans, Pelikan und Phönix auf der Abbildung. In der Mitte ist ein grüner Drache. Der Weg zum Galatea-Brunnen und der Pan-Statue wird durch eine Kette versinnbildlich an der ein Mann gekettet ist, der gemeinsam mit einem aufrecht stehenden Löwen eine Sonne in Händen halten. Darunter finden sich die Elemente Feuer und Luft sowie ein Phönix. Der Weg zum Minerva-Tempel und dem lykischen Apollon wird durch eine Kette versinnbildlicht an der eine Frau gekettet ist, die gemeinsam mit einem Mann mit Hirschkopf einen Mond in Händen halten. Darunter finden sich die Elemente Wasser und Erde sowie ein Adler.