Der Schlossgarten in Schwetzingen

- Ein Garten voller Verführungen

Die geheimen Künste

Der Schwetzinger Schlossgarten wurde Ende des 18. Jahrhunderts (ca. von 1752 bis 1796) erbaut. Zur Zeit von Kurfürst Carl Theodor, dem Gestalter des Schlossgartens, gab es in Deutschland viele freimaurerische Systeme; wovon zunächst zwei Systeme aufgrund ihrer Konkurrenz erwähnenswert sind. Die »Strikte Observanz«: ein System des Reichsfreiherrn von Hund, welches wahrscheinlich zwischen 1751 und 1753 konzipiert wurde, und die »Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland«, welche 1770 gegründet wurde.

Die »Strikte Observanz« wurde durch den Wilhelmsbader Konvent von 1782 erheblich geschwächt. Trotz anfänglicher enormer Anziehungskraft scheiterte sie schließlich. Das ganze System basierte darauf, dass die Freimaurerei vom einstigen Tempelritterorden gestiftet worden sei. Die Aufgabe dieses freimaurerischen Systems war es, den Tempelritterorden nach ca. 440 Jahren wieder zu Ehre und Würden zu verhelfen. Als sich im Wilhelmsbader Konvent die »Strikte Observanz« von der eigenen Ursprungslegende und den Tempelrittern lossagte, verblasste ihre Anziehungskraft und sie ging allmählich unter.

Schon vor dem Wilhelmsbader Konvent von 1782 galt die »Große Landesloge« in Deutschland als starke Konkurrentin der »Strikten Observanz«. Das System der »Großen Landesloge« geht auf Unterlagen zurück, die aus Schweden stammen, und 1766 in Besitz des Preußischen Feldstabmedikus von Zinnendorf gekommen sind. Die Unterlagen selbst sind mindestens seit ca. 1756 in Schweden in Gebrauch und auf Karl Friedrich Eckleff zurückzuführen.

Die »Eckleffschen Akten« weisen nicht nur durch ihre inhaltliche Gestaltung bereits auf tiefe Kenntnisse der geheimen Künste hin. Sondern es lassen sich mystische, hermetische und alchemistische Inhalte nachweisen und auch anderen Quellen und Autoren, wie z.B. Isaak Luria zuordnen.

Die »Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland« sowie die anderen skandinavischen Freimaurerorden sind in drei sogenannten Ordensabteilungen untergliedert. Die erste ist die Johannisloge. Die zweite ist die Andreasloge. Die dritte ist das Ordenskapitel. Darüber hinaus existiert die Höchste Ordensabteilung; sie entspricht der Administrationsebene und kann mit dem Schloss in Schwetzingen versinnbildlicht werden. Diesem dreigliedrigen Aufbau folgen die drei Farben, die den drei kabbalistischen Elementen zugeordnet werden können: Blau und Gelb sind die Farben der Johannisloge (I. bis III. Grad); Rot und Grün sind die Farben der Andreasloge (IV. bis VI. Grad); Weiß und Rot sind die Farben des Ordenskapitels (VII. bis X. Grad). Die erste Farbe einer Ordensabteilung steht für eines der kabbalistischen Elemente: Blau für Wasser, Rot für Feuer und Weiß für Luft/Geist. Die zweite Farbe einer Ordensabteilung kann mit den drei christlichen Tugenden in Verbindung gebracht werden: Gelb für Glaube, Grün für Hoffnung und Rot für Liebe. Die Reihenfolge Glaube, Hoffnung, Liebe entspricht der Bibelstelle aus dem 1. Korinther 13,13. In den »Eckleffschen Akten« wird diese Dreiheit ebenfalls unterstrichen. Im Schlossgarten wird sie an vielen Stellen besonders hervorgehoben.


Tempel des Merkur 1784/1787 von Nicolas de Pigage und Friedrich Sckell, Foto © Giovanni Grippo