Der Schlossgarten in Schwetzingen

- Ein Garten voller Verführungen

Freimaurerei

Zur Zeit der Gestaltung des Schwetzinger Schlossgartens zwischen ca. 1752 bis 1796 gab es folgende Großlogen auf der Welt, die ein eigenes freimaurerisches System entwickelt hatten. Kurfürst Carl Theodor könnte alle Systeme der einzelnen Großlogen gekannt haben und bestimmte freimaurerische Inhalte im Schlossgarten verewigt haben, wie wir in unseren Führungen aufzeigen. Wahrscheinlich ist, dass er sich für die deutschen und größeren freimaurerischen Systeme interessiert haben wird:



Die »Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland« und die »Strikte Observanz« werden Ende des 18. Jahrhunderts die meisten Mitglieder im deutschen Sprachraum gehabt haben, was zu dem Schluss führen kann, dass sich Carl Theodor besonders mit diesen beiden Richtungen der Freimaurerei befasst haben wird; bis die »Strikte Observanz« ab 1782 unterging. Die »Große Landesloge« in Deutschland hat wie die »Strikte Observanz« ein templerisches Erbe. Wobei die »Große Landesloge« dieses Erbe sowie die Mystik, Hermetik und Alchemie als geistiges Vermächtnis betrachtet.

Das Schwedische System der »Großen Landesloge« ist bis heute in Skandinavien vorherrschend. Der »Dänische Freimaurerorden« wurde 1743 in Kopenhagen (übernahm aber erst später das Schwedische System) und die »Große Landesloge von Schweden« wurde 1760 in Stockholm gegründet. Österreich war der »Großen Landesloge« als Provinz angeschlossen bis sich in Wien 1784 die »Große Landesloge von Österreich« gründete. Die Verbindung von Carl Theodor nach Österreich ist nicht nur durch Wolfgang Amadeus Mozart und seinen Vater bezeugt. Der siebenjährige Mozart besuchte zwischen dem 15. und 29. Juli 1763 mit seiner Schwester und seinem Vater im Rahmen einer Konzertreise den kurpfälzischen Hof. Auch Christoph Willibald Gluck, einer der bedeutendsten Opernkomponisten der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, ist ein wichtiger Vermittler der 1774 als Komponist nach Schwetzingen übersiedelte. Er inszenierte die Oper »La contesa de’ numi« am 9. April 1749 für den Königshof in Kopenhagen, was als eine mögliche Verbindung nach Skandinavien verstanden werden kann.

Durch die »Eckleffschen Akten« von ca. 1756, der Grundlage der heute noch existierender Freimaurerorden in Deutschland und Skandinavien, können auch bauliche Veränderungen nachvollzogen werden. Sie weisen nicht nur durch ihre inhaltliche Gestaltung bereits auf ein fundiertes mystisches, hermetisches und alchemistisches Wissen hin. Die Gestaltung des Schlossgartens entspricht den Inhalten der »Großen Landesloge von Schweden« sowie der »Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland«. Ihr freimaurerisches System ist in sich geschlossen und im Vergleich zu den damaligen Verirrungen einiger freimaurerischer Richtungen klar strukturiert.

Es scheint, dass inhaltliche Änderungen die beispielsweise in der »Großen Landesloge von Schweden« durchgeführt wurden, auch bauliche Anpassungen im Schlossgarten in Schwetzingen zur Folge hatten. Was zu der Annahme führt, dass Carl Theodor einen direkten Kontakt zum schwedischen Hof des Freimaurers und späteren Königs von Schweden - Karl XIII. - und seinem Vorgänger und Bruder Gustav III. (auch Freimaurer) gehabt zu haben scheint. Zudem treffen an besonderen Stellen verschiedene Richtungen der Freimaurerei zusammen und ermöglichen dadurch mehrere Deutungsebenen. Dabei sind die damaligen Richtungen der Freimaurerei zu berücksichtigen. In unseren Führungen gehen wir auf diese Zusammenhänge ein.


Tempel der Minerva 1766/1773 von Nicolas de Pigage, Foto © Giovanni Grippo